Kniesteuerung im Strassenverkehr

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chrigelseg
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Kniesteuerung im Strassenverkehr

Beitragvon chrigelseg » 24.10.2012 01:33

Hallo zusammen

Seit gut einem Jahr fahre ich versuchsweise mit einer, am Leansteer angebrachten, Zusatz-Kniesteuerung und ich bin begeistert.
Für mich ist die optimale "Lenkpunkt"-Höhe ein Kissen knapp unter den Knien, das finde ich im Gebrauch sehr wendig. (Andere mögen es lieber höher).
Wichtig ist für mich der hintere Abschluss des Kissens: Es muss bei einer Notbremsung meine Rückenlage voll auf die Base übertragen können! Natürlich muss ich es dazu verlässlich einklemmen können.
Bei normaler Fahrt soll es nicht zu breit sein, damit es nicht ständig an meinen Beinen "herumraffelt".

Nun möchte ich ein umfassenderes Projekt angehen:
Den "Eierlegenden-Wollmilchsau-Leansteer" ;-)
Er soll folgende Funktionen haben:
- Ersatz des Original-Leansteer (Kürzer)
- Kniesteuerung
- Sitzgelegenheit mit Rollsitz (vor- zurück)
- Transportmöglichkeit im ungenutzten Raum zwischen den Unterschenkeln über der Mittelkonsole (z.B. für Ersatzakkus ?)
- Ausfahrbarer (oder hochklappbarer) Hand-Lenkerteil

Ein Prototyp ist in Arbeit.
Es wird einen Rahmen zwischen die Unterschenkel geben, wo der vordere Teil den Leansteer ersetzt und mit schwenkt.
Hinten soll er zentral über der Ladebuchse abgestützt sein, aber seitlich nicht schwenken (können).
So erhoffe ich mir für den oberen Sitzschlitten einen Kompromiss zwischen Rollstuhlfeeling für Langsamfahrt und Leansteerfeeling für schnellere Fahrt:
- Sitz-Schwerpunkt hinten: kaum seitlichen Einfluss auf Lenkung
- Sitz-Schwerpunkt vorne: Beschleunigung mit Leansteerfeeling
Es wird sich zeigen, ob dieser Kompromiss mit beweglicher (vorne) und fester Abstützung (hinten) negative Auswirkungen auf den Kniesteuer-Betrieb haben wird.

Die hintere Abstützung dient wesentlich zur Gewichts-Entlastung am Leansteer. Sie soll die Last von Sitz und Transportgut auf die Originalaufnahme zumindest halbieren. Der (neu viel zu) kurze Leansteer neigt in der Seg-Software zum "Schwabbeln". Im Normalbetrieb reicht schon eine Originale Lenkertasche, um den Effekt wesentlich zu verringern.
Ein nur abgesägter Leansteer wäre schon fast ein Stunt-Projekt!
Es braucht also eine gewisse Trägheit des Leansteers für ruhige Fahrt.
Die Kompensationsmöglichkeiten durch Mechanik statt Software wären / sind nur:
- Gewicht am Leansteer (Lenkertasche)
- schwererer Leansteer durch Lastentransport (Zusatzakkus?)
- Griffigkeit einer knapp sitzenden Kniesteuerung!

Ich bin nach eigenen Versuchen überzeugt, dass sich ein so umgebautes Segway auch sicher im Strassenverkehr bewegen lässt!
Ich konnte alle MAMS-Ausflüge mit Zusatz-Kniesteuerung bewältigen!
In Innenstädten hörte ich natürlich auch von Passanten: "Schau mal dort: dieser Aufschneider fährt freihändig!!!"
Mega-Peinlich, aber eigentlich von aussen gesehen schon berechtigt :oops: ich wollte nur eine bequeme Fahrpraxis testen, nicht etwa aufschneiden. Na gut: Ich kann ausserdem meine Hände in den Jackentaschen aufwärmen lassen, statt sie mit Handschuhen bewehren zu müssen...)
Ich vergleiche es mit Liegevelo's, deren Betrieb auch nicht jedem "Experten" und Polizisten auf Anhieb sicher erschien. (Tatsächlich lag das Hauptproblem damals aber bei der Sichtbarkeit der Liegevelofahrer für Autofahrer.........) Liegevelo-Fahren ist bequem!!!!!!!!!

Zu meiner eigentlichen, eher blauäugigenen :oops: Frage zurück:
"Ist Kniesteuerung wirklich illegal :?: "
Zu dem "Führen von Motorfahrzeugen" sagt das Schweizer Gesetz lediglich (kurzgefasst): "Das LOSLASSEN der Lenkvorrichtung ist verboten..§ xy"
Im Streitfall müsste ich so argumentieren: Mit der Kniesteuerung KANN ICH GAR NICHT meine Lenkvorrichtung loslassen! Sie steckt unverrückbar zwischen meinen Knien. Ich müsste "absteigen und das Fahrzeug verlassen, um meine Lenkvorrichtung "loslassen" zu können!!".

Anders sieht es natürlich bei der Zulassung des Fahrzeuges selber aus:
Gibt es überhaupt Möglichkeiten, Fahrzeuge vom Zwang auf "HAND!!"-Lenkungsbedienung zu befreien??

Wichtig: Es geht mir keinesfalls darum, eventuelle Erleichterungen, die für handycapierte Benutzer eingerichtet wurden, als derzeitiger Normalbürger ausnutzen zu wollen!! Ich bin privater Segwaybegeisterter in der Schweiz, mehr nicht.

Hat jemand Erfahrungen mit "Kniesteuerung im Strassenverkehr"?

Grüsse vom Chrigel

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Roberto
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Re: Kniesteuerung im Strassenverkehr

Beitragvon Roberto » 24.10.2012 18:07

Hallo Chrigel...
Wieder interessant deine Ausführung und auch nicht zu kurz ;-) :oops:

Irgendwie wäre mir eine Kniesteuerung zu unsicher/unbehaglich.
Irgendwie brauche ich was zum anhalten...
Habe zwar noch keine richtige Kniesteuerung probiert... aber kurz mal mit den zwei Knien, mit der Lenkstange gelenkt..
Ich wüsste nicht, wo ich mit den Händen hin soll... Telefonieren tue ich ja auch nicht so viel .. :roll:
An einen Sitz hatte ich da schon öfter gedacht..... gerade wenn es da so lange gerade Straßen gibt.. da wird es im Stehen schon oft langweilig.... :|
Im Wald dagegen brauche ich keinen Sitz ;-)

mmhhh... oder vielleicht doch...... ? :-??

Einen Sitz werde ich mir sicher mal bauen... :lol:


Zu der Frage wegen Lenker loslassen... darf man eigentlich ein Auto (Lenkrad) mit den Füßen lenken..? (zumindest mit einem?)

l.G. Roberto
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Re: Kniesteuerung im Strassenverkehr

Beitragvon chrigelseg » 25.10.2012 02:00

Hallo Robert

Du hast Recht: die (alleinige) Kniesteuerung ist nicht jedermanns Sache.
Kaum jemand durfte und konnte die Vor-und Nachteile ausgiebig testen, auch Gesetzgeber und -Hüter leider nicht :gngngn:
Ich liess mich vor gut einem Jahr beim Stöbern im Angebot eines Zubehöranbieters inspirieren:
AXperts-Universalpolster.jpg
Foto by AXperts.de
AXperts-Universalpolster.jpg (6.13 KiB) 3524 mal betrachtet
Axperts-Grundhalter.jpg
Foto by AXperts.de
Axperts-Grundhalter.jpg (6.88 KiB) 3524 mal betrachtet

Dummerweise habe ich den Verwendungszweck nicht begriffen und die Teile ganz falsch zusammengesetzt :oops: ;-)
Immerhin konnte ich so auf einfache und günstige Weise Erfahrungen sammeln, ohne gleich eine "originale" Kniesteuerung kaufen zu müssen:
Was ich zuvor mit vorgestreckten Knien am Leansteer nur mühsam schaffte, nämlich Lenken, ging nun erstaunlich einfach! Zur Not sind die Lenkergriffe immer noch erreichbar.

Das Beschleunigen gibt sowieso keine Probleme, da der Leansteer bei dieser Zusatz-Anbaulösung ja noch bis oben vorhanden ist. Ich lege einfach meinen Waschbrettbauch (*) an den Leansteer .
*(Mein Waschbrettbauch hat übrigens nicht sechs kleine, sondern nur einen grossen Hubbel, weil er eben für Feinwäsche ausgelegt ist ;-) )
Bei normaler Fahrt stört das Kissen zwischen den Knien nicht, weil der Fussabstand (bei Gen2) durch die Konsole vorgegeben ist und ich glücklicherweise keine X-Beine habe ;-). Die Unterschenkel sind also sowieso parallel bis zum Knie.
Es wirkt ausserdem dämpfend auf die Lenkung: Selbst bei einem unerwarteten Hindernis kann der Leansteer gar nicht unkontrolliert ausweichen, auch wenn ich ihn vor Schreck loslassen würde! (Sicherheitsrelevant).
Spannend wird das Bremsen, besonders eine unvorhergesehene Notbremsung!
Dieser Punkt ist ganz besonders Sicherheitsrelevant!
Darum muss der hintere Abschluss des Kissens genügend stabil und griffig sein, damit man sicher zurücklehnen kann und dies auch auf die Base übertragen kann! In der "Schrecksekunde" gilt es nicht, den Lenkergriff zurückzureissen, sondern reflexartig die Knie zusammenzupressen. Das "Zurücklehnen" geschieht sowieso intuitiv, wie alles andere am Leansteer.
Es gibt Ideen, zu diesem Zweck vorne Fussschlaufen über den Zehen anzubringen; ähnlich wie beim Segeln zum Ausreiten (dort Gurt über Unterschenkel).
Mir behagt diese Idee weniger, (ausser beim Segeln). Hab's aber nie probiert. Einer stabilen, hinteren Verbreiterung des Kissens gebe ich den Vorzug.
Zum "Hand-Parkplatz":
Tatsächlich weiss ich z.B. bei selbstgehaltenen Vorträgen oder Vorsingen auch nie, wo ich meine zitternden Hände verstecken soll. Darum tue ich mir solche Auftritte seit der Schulzeit auch nie mehr an!
In der kommenden Jahreszeit auf dem Segway weiss ich es aber: In der warmen Jackentasche :D

Ich kann den Versuch mit einer Zusatz-Kniesteuerung nur jedem empfehlen: ihr werdet auch begeistert sein :-)
Der "Lenker"-griff (eher Bremsgriff) ist ja für Notfälle noch vorhanden!
Rechtlich sollten daraus keine Probleme entstehen.
Ich sehe aber aus rechtlichen Gründen bei meinem Projekt auch einen herausfahrbaren oder hochklappbaren Alibi-Lenker für ängstliche Nutzer und Rechtshüter vor :D .

Mein Kniesteuerungsprojekt ist aber nur ein Drittel.
Der Sitz wurde hier schon oft angesprochen. Es gibt Lösungen als "Stehhilfe" (hoch angebrachter Fahrradsattel, zB. von einem, Einrad?) oder "Rollstuhl" (tief angebrachte Sitzfläche). Ich versuche etwas dazwischen: tief, bequem und trotzdem schnellfahrtauglich durch Leansteereffekt und geschmeidiger Längsbewegung zum Beschleunigen und sicher(!) Bremsen.

Ich suchte aber eigentlich eine Transportlösung für Zusatz- oder Ersatz-Akkus und fand etwas ungenutzten Platz zwischen meinen Unterschenkeln.
Mir fiel auf, dass über der Mittelkonsole und meinen Knien dieser Raum eigentlich immer frei bleibt :-??
Schliesslich müssen auch Deine Schneller-Ladegeräte irgendwie transportiert weden ;-)
Der Platz ist günstig, weil er vergleichsweise tief unten beim Schwerpunkt liegt. Das (evtl. schwere) Transportgut (Schnellerlader oder Ersatz- Zusatzakkus) ist in den Dimensionen auch einigermassen definiert. Es gibt diesen kaum genutzten Stauraum über der Mittelkonsole von 8cm Breite! Die Raumlänge ist abhängig vom benutzten Leansteer mit oder ohne Einbiegung für Treppentauglichkeit. Die Raumhöhe ist abhängig von Fahrgewohnheit und gewünschter Zusatznutzung als Sitz oder Kniesteuerung.
Platz für Experimente!

Mein Auto mit dem Fuss lenken? Das wäre wirklich eine Herausforderung. Leider sind bei meinem Auto Fahresitz und Pedale dermassen ungeschickt platziert, dass ich einen derartigen Versuch unmöglich einem Gesetzeshüter plausibel erklären könnte.
Wie Du sagtest: Einem Segwayfahrer liegt die Versuchung zur Kniesteuerung am Leansteer sehr viel näher, auch anatomisch...

Grüsse vom Chrigel

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Re: Kniesteuerung im Strassenverkehr

Beitragvon mathiegi » 25.10.2012 09:01

Guten Morgen Chrigel

Einmal mehr ein wunderbar formulierter Beitrag von dir.
So macht lesen Spass! :lol: (Hab noch Feinwäsche für dich :P )
Wann bringst du dein erstes Buch raus? Ich kaufe es sofort!

Ich durfte ja schon verschiedene handelsübliche Handfreelösungen fahren, welche riesigen Spass machen. Sehr gut zu bremsen sind Lösungen mit einem Gegengewicht hinten. Die werden aber wohl rechtlich nie eine Strassenzulassung bekommen.

Ich durfte aber auch mehrfach deine Kombinationsvariante probieren.
Deine gibt effektiv ein sehr sichereres Gefühl und kann bei Schwingern oder Hackenschlag durch Traktionsverlust oder kurzeitigem blockieren eines der Räder matchentscheidend sein, sowie die Sicherheit erheblich steigern! :prima:
Lustig ist, wie verschieden die Geschmäcker in der Installationshöhe sind, diese bestimmt neben der Körpergrösse, Beinform (O/n/X) auch das subjektive persönliche Empfinden.
In jedem Fall sollte man verhindern seine Kronjuwelen zu komprimieren. :mrgreen:
Liebe Grüsse aus der Schweiz

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Re: Kniesteuerung im Strassenverkehr

Beitragvon Wendelstein » 25.10.2012 22:14

Guten Abend, Chrigel,

Deine Überlegungen, ein wirklich interessanter Beitrag! Ich wünsche Dir viel Erfolg. Aber vielleicht gehst Du mit der Kniesteuerung gleich noch einen Schritt weiter: Siehe http://www.ebay.de/itm/Selbststabilisie ... 1c2c7fe9c4.

Gruss vom Wendelstein!

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Re: Kniesteuerung im Strassenverkehr

Beitragvon Wendelstein » 07.11.2012 18:13



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